Immer häufiger begegnen mir Leute (oder ich begegne ihnen), wo ich mich frage, ob sie noch ein Ziel haben. Erst heute ging ich den Straßenbahnhaltestelle entlang, wie jeden Tag. Anscheinend war ich nicht gerade im Main-Stream-Tempo, zumindest viel mir das auf, als ich die ältere Dame an mir vorbei sausen merkte und hörte, wie sie vor sich hinsagte: "Heute kann auch keiner mehr Platz machen." Ich war erstmal ziemlich verdattert, weil ich mir nicht bewusst gewesen war, dass ich langsam lief und den "Verkehr" behinderte. Dann sagte sie weiter: "Ohne Kopfbedeckung rennen hier die jungen Leute rum, bei nur 10°C." Meine Gedanken waren, warum kümmert sie das? Hat sie recht? Warum regt sie sich nur über andere auf?
Abgesehen davon, dass es wirklich besser ist bei solchen Temperaturen (und Wind) eine Kopfbedeckung zu tragen, fragte ich mich eben, was in ihrem Leben geschehen sein muss, dass diese Frau kleine Dinge zum Anlass nimmt, um sie in einem wirklichen Zorn hörbar vor sich hinzusprechen. Sie war wirklich verärgert.
Ein mehr oder weniger bekannter Pastor kam einmal auf die Bibelstelle zu sprechen, wo es heißt, dass jemand der Hass gegenüber jemanden empfindet, genauso ist, wie ein Mörder. Ich habe mich schon manchmal gefragt, warum das so ist. Morden ist doch viel schlimmer! Aber der Punkt liegt da: Wenn ich jemanden hasse, dann wünsche ich mir, dass er nicht um mich herum wäre. Ich wünsche mir alles andere als seine Gegenwart. Ich würde am besten leben, wenn derjenige nicht existiert. Nun, dass ist genau das gleiche Motiv, wie bei Mord. Und ich denke, dass meint die Schrift.
Wie oft habe ich schon solche Gedanken gehabt, wie oft hast du schon solche Gedanken gehabt. Wie sehr ist die Welt erfüllt von Hass. Hass ist ein selbstsüchtiges Empfinden, man schätzt sich höher als den anderen. Aufgrund von hasserfüllten Gefühlen werden wir auch verbittert.
Warum schreibe ich über Hass? Ich glaube jeder hat hin und wieder mal damit zu kämpfen. Aber wir müssen das gar nicht. Als Jesus, der erste und letzte Mensch, der über diese Erde gegangen ist und nie einen hassvollen Gedanken gehabt hat, sondern stets aus der Kraft der Liebe gelebt und gehandelt hat, am Kreuz für uns starb (und aus menschlicher Sicht hätte er dabei hasserfüllt sein müssen, weil seine Verurteilung unrecht war) hat ein einmaliger für immer zählender Austausch stattgefunden. Aus Hass wurde Liebe. Diejenigen, die ihn verspotteten und bespuckten, konnten nicht mit einer ähnlicher Reaktion von Jesus rechnen. Nein, trotz dass es "gerechtfertigt" gewesen wäre, bringt Jesus ihnen Liebe entgegen. Er hasst sie nicht, sondern beweist seine Liebe durch das größte Opfer: Er, der ohne Schuld ist, gibt sein vollkommen reines, unbeflecktes, heiliges, göttliches Leben für genau diese hasserfüllten, schuldigen, schamlosen Männer.Bei Jesus ist alles genau umgekehrt. Er handelt genau gegenteilig zu unserem Denken, zu unserem "Gerechtigkeitssinn". Nun, was machen wir damit? Nicht nur diesen Männern hat er vergeben, sondern der ganzen Menschheit für ein und alle mal, niemand kann es rückgängig machen, man kann es nur annehmen.
Was heißt es Vergebung anzunehmen? Ich nehme diese Gnade an, ich nehme die Vergebung Jesu in Anspruch, sodass ich frei bin von meiner belastenden Schuld. Und dann... geh ich meine Gemeinde und hege hasserfüllt Gedanken gegen meine Geschwister?
Wenn wir diese Liebe, diese unsagbare große Liebe, die Jesus uns am Kreuz geschenkt hat, zu unserem Ziel im Leben machen, dann handeln wir, denke ich, angemessen. Es ist ein Dank an Jesus, dass er uns geliebt hat, darum lieben wir. Ich glaube, dass dieser Umtausch Hass - Liebe bei jedem erfolgt, der Jesus in sein Leben aufnimmt. Wie viel opferst du dafür, an diesem Ziel - lieben - festzuhalten? Ich bete, dass Gott mir die Kraft dafür schenkt, zu lieben.
CM
das ist wirklich sehr sehr gut ...dankeschön dafür ..ich werde es mir wirklich zu herzen nehmen :)
AntwortenLöschenalso lg